1. September 2010

Rudolf Woodtli macht Feierabend...

... und zwar zum letzten Mal. Per Ende August hatte der wohl berühmteste Polizeimediensprecher der Schweiz, Ruedi Woodtli, seinen letzten Arbeitstag und ging in den verdienten Ruhestand über. Während mehr als 6 Jahren verging nur selten ein Tag, an dem ich als Radiojourni nicht die Nummer der KaPo Aargau (ich kann sie bis heute auswendig) gewählt und dann denn Herr Woodtli verlangt habe. An einer Weihnachtsfeier hat er mir dann sogar einmal das Du angeboten, worauf ich natürlich absolut stolz war. Man hatte es ja in den Sturm- und Drangzeiten als Jugendlicher nicht unbedingt so mit den Polizisten. Mal das Mofa frisiert, zu schnell gefahren, nach einem Fussballspiel den bösen Buben gemimt oder zu lange und zu laut eine Party gefeiert. Jaja, der Freund und Helfer war zu der Zeit mehr Feind und Verhinderer - aber man(n) wird älter und inzwischen sieht man(n) sogar bei einer Verkehrsbusse ein, dass man(n) selber einen Fehler und der Beamte nur seinen Job gemacht hat. Muss wohl daran liegen, dass mir spontan mindestens 4 Leute aus meiner Schulzeit in den Sinn gekommen, die inzwischen bei der Polizei gelandet sind.


Darum an dieser Stelle auch ein paar Worte zur Pensionierung "unseres" Kultmediensprechers, Rudolf Woodtli (rechts aufm Foto), der übrigens zur gleichen Zeit seinen Hut nimmt, wie Sämi Kropf - ein altgedienter Stadtpolizist in Aarau. Klar, es gäbe aus der Radio Argovia Zeit das eine oder andere persönliche Schmankerl zu erzählen... aber eben, das ist persönlich, bleibt darum in meiner Erinnerung und ist da auch gut aufgehoben. Rudolf Woodtli war fast 30 Jahre im Amt. Während dieser Zeit hat er über alle grossen und kleinen Verbrechen im Aargau vor Kameras, Dikta- und Mikrofonen Auskunft gegeben. Nun geht der dienstälteste Mediensprecher also definitiv in Pension, sein Gesicht und seine Stimme war der Aargauer Bevölkerung über die Jahre bestens bekannt und vertraut. Es war im Jahre 1982 als Rudolf Woodtli zum Mediensprecher der Aargauer Kantonspolizei ernannt wurde. Nach nicht einmal vier Monaten musste er - ohne spezifisches Medientraining - vor einer SF-Kamera über ein schweres Zugsunglück in Mägenwil Auskunft geben, das Todesopfer und viele Verletzte forderte. Gegenüber der sda erinnert er sich an diese Zeit:"Auf dem Weg dahin ist der Puls schon gestiegen. Es hat dann auch nicht im ersten Anlauf geklappt, aber am Ende hatten sie, was sie wollten."

Zu der Zeit war es mit den Informationen von Seiten der Polizei sowieso noch etwas anders als heute. Damals erteilten die Ordnungshüter auf den Bezirksposten den ihnen bekannten Regionaljournalisten gerne mal persönlich bereitwillig Auskunft. Mit der Einführung eins zentralen Pressesprechers änderte sich das, gross geschult wurde der Aargauer dafür aber nicht. Ein paar Besuche in Redaktionsstuben oder bei Kollegen im In- und Ausland. Sonst gab es nichts als "learning by doing". Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, berichtet wurde aus der Telli stets möglichst rasch und offen - Woodtlis eiserner Grundsatz! Der Presseverteiler, der früher vielleicht 20 Adressen umfasste ist heute auf fast 130 angewachsen, mit den Journalisten blieb er immer auf professioneller, aber sehr freundlicher Distanz. A propos Journalisten und Medien, da kann ich eine Aussage von Rudolf Woodtli, welche ich gestern gelesen habe, zu hundert Prozent unterstützen.

Boulevard-Journalismus habe sich in den drei Jahrzehnten seiner Arbeit "leider immer mehr verbreitet", meint Woodtli gegenüber der Schweizerischen Depeschenagentur. Vor allem mit den elektronischen- und Bildmedien falle die Recherche immer mehr dem Zeitdruck zum Opfer. "Es nervt einen manchmal schon, wenn man dann die Berichte liest", sagt er. Diese Momente hätten sich in den vergangenen Jahren gehäuft. Und manchmal habe er auch fast schon Mitleid. Gerade junge Fernsehjournalisten seien manchmal "arme Typen". Diese würden einen Auftrag erhalten und sollten möglichst Blut oder gleich den Sarg filmen und dazu auch noch Menschen zum Weinen bringen. Aber die Gesellschaft spiele nun mal mit.

 
Der Mann spricht mir sowas von aus der Seele. Aber eben, dass es auch anders geht bewies das Aargauer Privatradio vor einigen Jahren. Daran mag ich mich sogar noch aktiv erinnern, mein ehemaliger Cheffe freute sich wie ein Schneekönig ob dieser Zusammenarbeit zwischen Polizei und Medien. Es ging damals im Jahre 2003 um eine Fahndung nach einem Bankraub in Zurzach. Auf "Radio Argovia" beschrieb Wootdli live das Fluchtauto, worauf die Polizei die Räuber dank einem aufmerksamen Lastwagenfahrer auch prompt erwischte.

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