9. Dezember 2015

Adventskalender 2015: Türchen Nummer 9


Die Zeit vor Weihnachten ist die Zeit der Adventskonzerte, so auch in Aarau. Morgen und am Freitag finden so in der Stadtkirche, jeweils um 19.30 Uhr, die beiden Konzerte der Aargauer Kantorei statt. Kantorei? Nie gehört! Im Sommer 1985 versammelte sich eine begeisterte Sängerschar um Mozarts «Schauspieldirektor» und Bendas «Dorfjahrmarkt» einzustudieren – die damalige «Kammeroper» war die Wiege der Aargauer Kantorei – sie ist heute aus dem Aargauer Kulturleben nicht wegzudenken. Auch 30 Jahren später bleibt die Aargauer Kantorei ihrem Credo treu. Nebst unbekannten Trouvaillen werden dem Publikum bekannte und hörenswerte Oratorien zugänglich gemacht. So gibt es in diesem Jahr Georg Friedrich Händel mit seinem Oratorium «Judas Maccabäus». Lesen wir die Textstelle «Tochter Zion, freue Dich!» erklingt in uns sofort die allbekannte Melodie Händels, die sogar in die Schweizerischen Gesangbücher aufgenommen wurde. Im Oratorium «Judas Maccabäus» wird sie als Jubellied beim Einzug der Siegreichen nach der Wiedereinweihung des Tempels gesungen: «Seht! Er kömmt mit Preis gekrönt!». Das Oratorium erzählt die Geschichte des Aufstandes, der Aufhebung des Religionsedikts und der festlichen Wiedereinweihung des jüdischen Tempels in Jerusalem 164 v. Christus. Dem seither gefeierten jüdischen Lichterfest Channuka entsprang die christliche Tradition der lichtvollen Advents- und Weihnachtszeit. Georg Friedrich Händel hatte ein feines Gespür für politische Aktualität. Er komponierte das Oratorium nachdem die aufständischen Jakobiten vom englischen königlichen Heer unter Wilhelm August, Herzog von Cumberland (ein Sohn Georgs II.), am 16. April 1746 besiegt wurden. Die Uraufführung am 1. April 1747 war ein grosser Erfolg und «Judas Maccabäus» entwickelte sich schnell zu Händels populärstem Oratorium. Bald darauf erklang es auch auf dem Festland und in deutscher Sprache – wie bei der Aufführung in der Aarauer Stadtkirche, zu welcher die Kantorei das Publikum herzlich willkommen heisst.

Tickets gibt es hier!

8. Dezember 2015

Adventskalender 2015: Türchen Nummer 8

Es gehört zur Adventszeit wie der Maienzug zur Sommerfrische oder der Bachfischet zum Herbstbeginn: Das Aarauer Kerzenziehen!


Einmal mehr zeichnet insieme Aarau-Lenzburg, Verein zur Förderung von Menschen mit einer geistigen Behinderung, für Organisation und Durchführung des zweiwöchigen Anlasses verantwortlich. Deren Mitglieder und viele Helferinnen und Helfer investieren Jahr um Jahr viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit, um mit dem Reinerlös den Menschen mit einer Behinderung ein sinnvolles und ihren Bedürfnissen entsprechendes Freizeit- und Kursangebot zu finanzieren. Noch bis zum nächsten Sonntag, dem 13. Dezember bietet sich in der Markthalle auf dem Färberplatz in Aarau die Möglichkeit, selber eine schöne Kerze zu ziehen - ein ideales Weihnachtsgeschenk übrigens und erst noch selber gemacht. Wer während dem Ziehen kalt oder Durst hat, dem sei die Kaffeestube ans Herz gelegt, wo es neben Kaffee und Kuchen auch heissen Punsch und Glühwein gibt.

 

Sie gehören zu den wenigen Menschen, die noch nie selber eine Kerze aus Bienenwachs gemacht haben? Hier eine kleine Anleitung, damit man Sie in der Markthalle nicht als Anfänger erkennt. Zum Kerzen ziehen eignen sich entweder alte Kerzenreste oder neueWachs-Flocken. Die wohlriechenden, goldenen Wachsflocken werden in einem schlanken, hohen Gefäss im Wasserbad auf etwa 70 °C erhitzt. Schneiden Sie ein Stück Dochtschnur ab – je nach dem, wie gross die Kerze werden soll. Tauchen Sie nun den Doch in das flüssige Wachs. Ziehen Sie den Docht wieder aus dem Kerzenwachs-Bad heraus und lassen das Wachs trocknen, spannen Sie den Docht etwas an. Nun wiederholen Sie den Tauchvorgang bis die gewünschte Kerzendicke erreicht ist, immer mit einem Turnus von ca. 15 bis 20 Sekunden. Am Schluss sorgt dann ein gerader Schnitt am unteren Ende dafür, dass die Kerze in den Kerzenständer passt. Das wars. Und wenn Sie nicht mehr weiter wissen, es stehen Ihnen in Aarau freundliche Helfer mit Rat und Tat zur Seite.



Leider bleiben zum Ende der Veranstaltung immer wieder ein paar Kerzen liegen, so auch dieses Mal. Wer seine Kerze vermisst, kann diese noch bis zum Sonntag in der Markthalle abholen. Gleichzeitig können interessierte Besucher einen Blick auf die magische Kerzenziehmaschine werfen, welche dieses Jahr noch am Freitagabend, sowie am Samstag- und Sonntagnachmittag in Betrieb ist. 


7. Dezember 2015

Marine, Marion und der Front National

Die rechtspopulistische Partei Front National (FN) triumphiert im ersten Wahlgang der Regionalwahlen in Frankreich am Sonntag. Mit einem Stimmanteil von knapp 28 Prozent (2010: 11,4 Prozent) landesweit ist der Front National laut Hochrechnungen zur stärksten politischen Kraft aufgestiegen. Die regierenden Sozialisten sind von den Wählern auf den dritten Platz verwiesen worden und erzielten etwa 23 Prozent der Wählerstimmen.



Das rechtsbürgerliche Parteienbündnis unter Führung des früheren Präsidenten Nicolas Sarkozy kam auf etwa 27 Prozent der Stimmen. Sarkozy lehnte es ab, Zweckbündnisse mit den aktuell regierenden Sozialisten im zweiten Wahlgang zu schliessen. Aber auch ein Verzicht von Kandidaten der bürgerlichen Rechten, um einen Sieg des FN zu verhindern und die Rechte somit noch mehr zu stärken, schloss er aus. Genau so wie er sich gegen einen Pakt jeder Art gegen den Front National auflehnt.



Der Urnengang stand unter dem Eindruck der Terroranschläge vom 13. November. Mit einem triumphalen Ergebnis von mehr als 42 Prozent der Stimmen in ihrer Heimatregion Nord-Pas-de-Calais-Picardie hat Marine Le Pen gute Aussichten, sich in der Stichwahlrunde durchzusetzen. Sie bringt sich auf diese Weise auch in Position für die Präsidentenwahlen im Frühjahr 2017. Marine Le Pen sprach von einem „wundervollen Ergebnis“, das sie mit „Bescheidenheit“ und „Ernst“ aufnehme. Ihre Partei sei berufen, „eine nationale Einheit“ aller Patrioten zu schaffen. Sie verwies auf ihr Rekordergebnis von mehr als 50 Prozent der Stimmen in der Stadt Calais, die ein wildes Flüchtlingslager beherbergt. 



Auch Le Pens erst 25jährige Nichte Marion Maréchal-Le Pen liegt in der Mittelmeerregion Provence-Alpes-Cote-d'Azur (Paca) mit gut 41 Prozent der Stimmen sehr weit vorn. Sie konnte übrigens in Südfrankreich besonders viele Stimmen von jungen Männern auf sich vereinen. Komisch, oder? Wenn man doch bedenkt, dass sie sich als eine strenggläubige Katholikin ausgibt, welche zum Beispiel gegen die Homoehe und gegen Sex vor der Hochzeit ausspricht! Oh, Moment, wann kam Marions Baby zur Welt? Einen Monat nach ihrer Hochzeit? Ein Wunder! 

Der zweite Wahlgang findet bereits am nächsten Sonntag statt. In insgesamt sechs von 13 Regionen erzielte der FN bereits den Spitzenplatz, weitere könnten also folgen. Die regierenden Sozialisten haben keinen Plan wie sie den Vollerfolg des FN verhindern sollen, einem "totalen Sieg" steht also nichts im Weg! Bislang fehlt im offiziellen Parteiprogramm des FN ein Hinweis darauf, dass die von der Parteichefin Le Pen gepredigte anti-europäische Abschottungspolitik bereits in den Regionen umgesetzt werden soll. Es ist aber schwer anzunehmen, dass es in der Wirtschaftsförderung und im Verhältnis zur EU sehr schnell zu Konflikten kommen wird, wenn der FN erste Posten übernimmt. Als erstes dürften Vereine und Hilfswerke zugunsten von Flüchtlingen einen Machtwechsel besonders zu spüren bekommen. Die Le Pens haben angekündigt, dass ihnen die finanziellen Zuschüsse drastisch gekürzt werden sollen. Derartige politisch motivierte Subventionskürzungen hat es bereits in den vom FN regierten Kommunen gegeben und sie werden nun auf regionaler Ebene folgen. 

Und ich sage, das ist erst der Anfang. Der radikale Rechtsrutsch wird das Frankreich der Zukunft prägen. Bonne nuit ma France! 

Adventskalender 2015: Türchen Nummer 7

Gestern vor einem Jahr war ich im Zürcher Hallenstadion, beim Konzert von Udo Jürgens. Ein paar Tage später, ich war gerade in Deutschland im Weihnachtsurlaub, erreichte mich die Meldung, dass Udo Jürgens gestorben sei. Die Meldung hatte mich damals in eine kurzzeitige Schockstarre versetzt. "Udo, der Udo Jürgens, der vor 2 Wochen noch vor Energie nur so gestrotzt hat?"


Eben, genau 14 Tage zuvor stand der rüstige Wahlzürcher noch auf der Bühne und begeisterte das anwesende Publikum mit einer über zweistündigen Show, erzählte von früher und sinnierte über die Zukunft. Nicht die lauten Gassenhauer waren es damals, welche mich zu überzeugen vermochte an diesem Konzertabend, nein, es waren die leisen Töne und die eher traurigen Lieder. Schon während des Konzerts wechselten sich darum Gänsehaut, Tränen und gute Laune ab. Kurz, ein Entertainer, der wusste, wie es geht und trotzdem irgendwie Mensch geblieben ist. Da das Konzert am 6. Dezember war, durften natürlich auch Weihnachtslieder nicht fehlen und Udo wünschte seinem Publikum bei der Verabschiedung frohe Festtage und einen guten Rutsch. Mit dem Hinweis, dass man sich im Frühling beim nächsten Konzert in Zürich wieder sehen würde. 


Leider kam es nicht so weit und irgendwie bin ich bis heute noch nicht wirklich fähig, mir eben diese nachdenklichen Lieder von ihm anzuhören. Es ist nicht so, dass ich ein grosser Jürgens-Fan gewesen wäre, aber seine Persönlichkeit, die Musik, die Stimmung, die Professionalität, seine herzliche Art... all das haben diesen Konzertabend in Zürich unvergesslich gemacht und unterm Strich dann halt eben auch aufgezeigt, wie vergänglich alles ist. Der Mann, der in seinem weissen Bademantel Zugabe um Zugabe gab, sich von seinen Fans feiern liess und uns von seinen Plänen für 2015 erzählt hatte, war auf einmal nicht mehr da... In diesem Sinne, lasst uns all die Tage geniessen! 

6. Dezember 2015

Adventskalender 2015: Türchen Nummer 6

Heute ist der 6. Dezember. Samichlaustag. Bei uns in der Schweiz wird der Nikolaus bekanntlich auch Samichlaus genannt. An den meisten Orten kommt er an seinem Namenstag, dem heutigen 6. Dezember, und verteilt Geschenke. Der Nikolaus als Gabenbringer taucht Mitte des 16. Jahrhunderts zum ersten Mal auf. Damals beschenkte er Kinder, die „fleissig, fromm und brav“ waren. Am bekanntesten ist sicher auch bei uns der Brauch, Stiefel oder Strümpfe am Vorabend des Samichlausentages vor die Tür zu stellen, damit der Heilige sie über Nacht mit Leckereien füllen kann. 


In der Zeit nach der Reformation war der Samichlausentag das einzige Fest an dem es für die Kinder Geschenke gab. Weihnachten war zu dieser Zeit noch ein ernstes Kirchenfest. Neben Lob und Geschenken gab es auch Tadel und Strafen. Je nach Gegend war der Samichlaus von dunklem Russ verschmierten Gestalten begleitet, denen er die gefürchtete Rute überliess. Auf alten Bildern sieht man, wie sie Kinder in einen grossen Sack stecken. Vielen Kindern war der Samichlausbesuch deshalb ein Gräuel und Grund für schlaflose Nächte. Auch heute noch kommt der Samichlaus häufig zusammen mit seinem Gehilfen, dem Schmutzli. Zum Glück hat der schwarze Gehilfe viel von seinen furchterregenden Zügen verloren.



Der Samichlaus Brauch wird je nach Region etwas anders gefeiert. In Lenzburg wird der Samichlaus jedes Jahr beim Chlaus-Chlöpfen verspottet, in Küssnacht am Rigi ist das Chlausjagen einer der imposantesten Umzüge Europas. Dazu gehören auf jeden Fall Nüsse, Mandarinen, Lebkuchen, Schokolade oder die ersten Weihnachtsguetzli. Kinder sagen Verse auf oder singen Lieder. Ein schweizerischer Brauch ist das Essen von Grittibänzen aus Zopfteig, dazu Butter, Honig, Milchkaffee, Äpfel und Nüsse. 
IIm 16./17. Jahrhundert brachten holländische Emigranten den Nikolausbrauch nach Amerika. Aus Sinterklaas wurde Saint Claus und schliesslich Santa Claus. Seitdem verteilt in Amerika und England sowie in all den ehemals englischen Kolonien nur noch der Weihnachtsmann, eine veränderte Form vom Heiligen Nikolaus bzw unseres Samichlaus, die Geschenke. Er füllt in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember die Strümpfe der Kinder mit Süssigkeiten.


Für die Bescherung kommt Santa auf einem fliegenden Schlitten, gezogen von einem Rentier Gespann mit acht Tieren. Diesen Mythos haben wir dem anonym veröffentlichten Gedicht „The Night before Christmas“ von 1823 zu verdanken. Die acht Rentiere sind alle namentlich in dem Gedicht aufgeführt: Dasher, Dancer, Prancer, Vixen, Comet, Cupid, Donner und Blitzen. 
In Amerika wurde aus der typischen Bischofsgestalt ein Santa Claus in Pelz besetztem Mantel und Pudelmütze. Im Laufe der Jahre entfernten sich der Nikolaus und der Weihnachtsmann immer weiter von einander. Die Kommerzialisierung nahm ihren Lauf, Coca Cola lässt grüssen. 


Der Weihnachtsmann kehrte im 20. Jahrhundert wieder nach Europa zurück. Zuerst dachte man, er komme vom Nordpol, bis er im finnischen Lappland sein Zuhause fand. Von dort aus besucht der unsterbliche Mann mit dem weissen Bart jedes Jahr die Kinder, um danach wieder in seine Hütte in Finnland zurückzukehren. 

Während der Reformation predigte Martin Luther, dass sich die Bevölkerung direkt an Gott wenden könne, ohne heilige Vermittler. Er schuf den „Heiligen Christ“, um Christus in den Mittelpunkt der Frömmigkeit zu stellen. Dieser hatte auch für die Bescherung der Kinder am Heiligen Abend zu sorgen. Weil der „Heilige Christ“ aber nicht anschaulich genug war, um grosse Popularität zu erlangen, wurde daraus schon bald das „Christkind“. In einigen Regionen wurde diese Tradition beibehalten, während anderswo bereits im 17. Jahrhundert wieder der gabenbringende St. Niklaus übernahm. 



Abschliessend ist klar, dass sich diese Frage auf den deutschsprachigen Raum beschränkt. Das Christkind konnte sich in Österreich, Süddeutschland und der deutschsprachigen Schweiz halten. In fast allen anderen Ländern und Regionen wurde der Weihnachtsmann eingeführt. Eine Ausnahme bildet Spanien, wo die Reyes Magos am 6. Januar die Geschenke bringen. Aber auch hier spielt der Papà Noel eine immer wichtigere Rolle. Den Samichlaus gibt es in verschiedenen Formen auch in der Tschechischen Republik, Ungarn, Irland, Polen und Italien, hier übernimmt die Rolle „La Befana“, eine auf einem Besen reitende Frau/Hexe.

Quelle: diefamilie