18. Oktober 2007

Blog fragt, Politiker antwortet - letzte Folge

In loser Folge stellen sich in dieser Serie Kandidatinnen und Kandidaten der Nationalratswahlen vom 21. Oktober meinen Fragen. Die Fragebögen habe ich per Email an Politikerinnen und Politiker verschickt, welche aus meinem Wahlkreis (AG/5000) stammen. Ob die Parteivertreter meine Fragen beantworten wollten, lag natürlich in ihrem Ermessen. Ihre Antworten wurden ungekürzt abgedruckt. Danke all denen, die sich die Zeit genommen haben!

Heute: Urs Hofmann, SP, Aarau

Soll sich der Bund stärker für die Integration von Ausländerinnen und Ausländern engagieren, wenn ja wie?

Schwergewichtig muss die Integration von Ausländerinnen und Ausländern auf kantonaler und kommunaler Ebene umgesetzt werden. Der Bund kann jedoch koordinierend tätig werden, Grundlagenarbeit leisten, in seinem gesamten Tätigkeitsbereich die Anliegen der Integration berücksichtigen und die Massnahmen der Kantone und Gemeinden finanziell unterstützen. Dies sieht das neue Bundesgesetz über Ausländerinnen und Ausländer ausdrücklich vor. Ich bin der Ansicht, dass dem Bund in diesem Bereich eine wichtige Vorbildfunktion zukommt. Generell zur Integrationsfrage verweise ich auf das Positionspapier der SP vom Mai 2007 (www.spschweiz.ch).

Legalize it. Soll Cannabis legalisiert werden?

Die heutige Regelung mit einer Strafbarkeit des Konsums, die faktisch kaum durchgesetzt wird, ist heuchlerisch. Sie schadet dem Ansehen des Rechtsstaates. Für viele Junge ist es nicht nachvollziehbar, dass sie zwar ab 16 bzw. 18 Alkohol trinken und sich beliebig volllaufen lassen dürfen, jedoch für einen Joint bestraft werden. Ich bin deshalb für eine Straffreiheit des Cannabis-Konsums, die allerdings begleitet sein muss durch wirksame Präventions- massnahmen und eine minimale Altersgrenze.

Die Stadt Aarau möchte im Torfeld Süd ein neues Fussballstadion bauen. Ihre Einstellung dazu?

Ich halte den Standort im Torfeld mit der Realisierung eines Einkaufszentrums bezüglich der Stadtentwicklung von Aarau nach wie vor für problematisch, da damit die Zentrum sentwicklung im Bereich Altstadt – Bahnhof geschwächt wird. Als FCA-Fan will ich jedoch ein neues Stadion und werde deshalb trotz meiner Bedenken Ja stimmen.

Befürworten Sie ein striktes Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden und Restaurants?

Ja.

Eine Volksinitiative will den Bau von Minaretten verbieten. Ihre Meinung zu diesem Thema?

Die Initiative verstösst gegen das elementare Grundrecht der Religionsfreiheit. Es ist völlig unverständlich, dass jemand in einem liberalen Rechtsstaat eine solche Forderung erhebt.

Rentenalter 67 für Frauen und Männer?

Angesichts der Bedürfnisse der Arbeitnehmenden ist eine solche Forderung völlig verfehlt. Wichtig ist die Realisierung eines flexiblen Rentenalters, welches es auch Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen erlaubt, vorzeitig in Pension zu gehen und nicht nur den Gutverdienenden, die in der Regel nicht bis 65 arbeiten.

Thema Jugendgewalt: Wie soll der Staat der angespannten Lage wieder Herr werden?

Letztlich muss sowohl auf der Ebene der Prävention als auch der Repression angesetzt werden:

Prävention: Jugendgewalt ist kein Naturphänomen, sondern hat gesellschaftliche Ursachen. In erster Linie müssen somit präventive bzw. integrative Massnahmen getroffen werden. Die SP-Fraktion hat dazu in der Sommersession 2007 ein Positionspapier verabschiedet (www.spschweiz.ch). Die SP Aargau hat sich an ihrem Parteitag vom Mai 2007 im Rahmen einer Resolution ebenfalls zur Jugendgewalt geäussert (www.sp-aargau.ch). Ich kann mich den Schlussfolgerungen beider Papiere anschliessen.

Repression: Da Jugendgewalt - gerade auch im öffentlichen Raum - vielerorts ein akutes Problem ist, reicht kurzfristig eine noch so gute Prävention jedoch nicht aus. Die Erhaltung von Sicherheit im öffentlichen Raum ist für mich eine prioritäre Aufgabe des Staates. Auch wenn eine absolute Sicherheit nirgends möglich ist, so dürfen wir vom Staat dennoch erwarten, dass er bei einer Häufung von Gewalttaten sofort handelt. Konkret heisst dies, dass die Polizeipräsenz in den heiklen Gebieten verstärkt und mit gezielter Gassenarbeit eingeschritten wird.

Generell muss es jedoch bei Gewalt heissen: Hinschauen. Gewalt darf nicht toleriert werden. Das gilt sowohl für die Schule als auch den öffentlichen Raum. Wer Gewalt ausübt – und sei sie anfangs auch nur „harmlose“ muss mit Konsequenzen rechnen müssen. Dazu braucht es nebst der polizeilichen Kontrolltätigkeit im öffentlichen Raum auch eine enge Zusammenarbeit der Polizeiorgane bzw. der Jugendanwaltschaft mit den Schulen. Ich habe den Eindruck, dass man in der Stadt Aarau das zunehmende Gewaltpotential in der Innenstadt zu lange nicht wahrnehmen wollte und somit zu lange nicht mit der nötigen Konsequenz reagiert hat.

Der Bundesrat möchte neue AKWs bewilligen, der Aargau steht als Standort zur Diskussion. Für Sie tragbar?

Ob im Aargau oder anderswo in der Schweiz ist nicht entscheiden. Ich lehne den Bau neuer AKW’s aus grundsätzlichen Überlegungen ab, da ich die mit Kernkraftwerken verbundenen Risiken für zu gross erachte. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit eines Grossereignisses gering ist, wäre dieses im Ernstfall derart verheerend, dass wir dieses Risiko nicht eingehen dürfen. Es entspricht einem Grundsatz meiner politischen Tätigkeit, auch als politisch Verant- wortlicher nur das zu tun, was ich als Privatperson mit meinem Gewissen vereinbaren kann und wofür ich die Verantwortung übernehmen kann. Für AKW’s kann ich dies nicht.

Sollen Armeeangehörige in Zukunft ihre Waffe im Zeughaus oder zu Hause aufbewahren?

Natürlich im Zeughaus. Wofür braucht jemand zu Hause ein Sturmgewehr?

Gehört die Schweiz in die EU? Wenn ja, warum und wenn nein, warum nicht?

Ja. Die Schweiz liegt im Herzen Europas. Die EU ist der grösste Handelspartner der Schweiz. Dessen Entscheide und Gesetzgebung sind auch für unser Land von entscheidender B edeutung. Gelingt es der EU, sich föderalistischer zu organisieren, wird die Schweiz bis in 10 Jahren der europäischen Staatengemeinschaft beigetreten sein, da dann auch die Mehrheit der Bevölkerung erkannt haben wird, dass es uns mehr bringt, rechtzeitig bei der Entscheidfindung mitzuwirken, als im Nachhinein nolens volens nachzuvollziehen, was die anderen in Brüssel ohne uns beschlossen haben.

Teil 1: Michael Hunziker, FDP
Teil 2: Michael Ganz, Forum liberale Mitte
Teil 3: Sämi Richner, EVP
Teil 4: André Rotzetter, CVP

17. Oktober 2007

2:0 - Allez les Bleus!

Schottland verliert, Italien spielfrei und Frankreich nach 90 Minuten gegen Litauen wieder auf Platz 1 der Gruppe B. Zwar hat die Partie auf TF1 (beste TV-Unterhaltung dank genialen Kommentatoren) mal wieder heftig Nerven gekostet, nicht zuletzt weil der ungarische Schiri zwei Elfmeter für die Franzosen nicht gepfiffen hat und der Pfosten das eine oder andere Mal hinhalten musste. Hier gibts das Telegramm zum Spiel. Aber Les Bleus haben ja zum Glück den Thierry Henry und der hat in knapp zwei Minuten mit seinen 2 Toren alles klar gemacht! Im Interview nach dem Spiel hat er dann gesagt, er widme diese Tore seinem kranken Vater... Bonne Chance!

Nun kommt es in der Gruppe B am 17. November zum grossen Showdown zwischen Italien und Schottland, gewinnt Italien ist Frankreich automatisch durch. Ansonsten müsste dann eine Woche später noch ein Punkt gegen die Ukraine her. In dieser "Todesgruppe" ist aber eh noch alles möglich.

Ich spare mir übrigens faule Sprüche über die Engländer, schliesslich hätte ich die auch gerne dabei nächstes Jahr. Aber es sieht nach heute Abend nicht gut aus. Und die Niederlage der Deutschen gegen die Tschechen lässt einem zwar vielleicht schmunzeln, aber unsere nördlichen Nachbarn sind mit dabei und das ist die Hauptsache! Heute Abend auch das Ticket gelöst haben zudem Tschechien, Rumänien und Griechenland.

Blick erklärt den "Fall Eva Herman"

Gesehen im Blick vom letzten Montag, als Auszug aus einem Interview mit der neuen Miss Schweiz Amanda Ammann. Wobei die Fragen/Bemerkungen des Reporters fett gedruckt sind...
"Nazis an den Herd!", das ist mal eine Parole. Warum ist Frau Herman da nicht selber darauf gekommen? Da wäre sie nicht so allein in der Küche.

Wahl-Countdown: Die Umfrage!

EDIT (Mi. 23:35 Uhr): Aufgrund von Manipulationen hab ich die Umfrage leider schliessen müssen. Freunde, es ist schon auffällig, wenn eine oder besser gesagt, eure Partei innert weniger Minuten gleich ein paar Dutzend Stimmen kriegt.... Schade!

In den vergangenen Wochen gab es hier im Blog zahlreiche Interviews mit Kandidaten. Das letzte Interview dieser losen Serie folgt zum Ende dieser Woche, mit SP-Nationalrat Urs Hofmann. Für eine kleine Prognose möchte ich nun von meiner Blogleserschaft erfahren, welche Partei am Sonntag mit eurer Stimme rechnen darf.

Die Wahl erfolgt natürlich anonym und es ist nur möglich, einmal eine Stimme abzugeben. Dabei sollte man sich für die Partei entscheiden, die einem am nächsten liegt, also vielleicht für die, welche am Sonntag mit der Listenstimme rechnen darf.

Es würde mich freuen, wenn sich viele Leserinnen und Leser mit einem kurzen Klick an der Umfrage beteiligen würden! Die Umfrage ist bis am Sonntagmorgen um 6 Uhr aktiv und befindet sich rechts oben in der Ecke.

16. Oktober 2007

Machen US-TV-Serien die Welt besser?

Am Wochenende hatte ich ein lustiges Gespräch zum Thema TV-Serien. Mein Gegenüber hat mir während diesem Gespräch offenbart, dass sie sich gerne US-Serien anschaut. Prison Break, Alias, 24 standen ganz oben auf der Liste. Aber auch in meinem sonstigen Bekanntenkreis kommt im Ausgang immer mal wieder das Thema Serien auf den Tisch. Grey's Anatomy, Charmed, Scrubs, C.S.I. oder Dr. House zählen da zu den Favoriten.

Man kommt einfach nicht mehr an diesen ollen US-Serien vorbei, ob man will oder nicht. Auch wenn man sich die Blogsphäre durchschaut kann man immer wieder Texte über neue Serien lesen. Aktuelle Beispiele sind Supernatural oder Heroes. Es gibt aber nicht nur Mystery- , Ärzte- oder Kriminalserien, nein, auch die heile Familie kommt nicht zu kurz. Gilmore Girls, Für alle Fälle Amy oder Eine himmlische Familie sind nur ein paar Beispiele. Diese Liste zeigt im Detail auf, wie extrem viele Serien derzeit im Fernsehen laufen.

Mein Motto ist "Leben und leben lassen". Darum soll sich jeder die Serie anschauen, die er gerne möchte. Allerdings fällt mir auf, dass die Serien in der TV-Landschaft immer mehr Platz einnehmen und Spielfilme so langsam aber sicher verdrängen. Es gibt ganze Serienabende. Der "Mystery-Montag" bei Pro7, auf Sat1 am Sonntag Kriminalserien, ORF oder SF ebenfalls mit Abenden wo es nur Dr. House, Desperate Houswives und Co. gibt. Diese Aufzählung könnte endlos verlängert werden.

Ich selber finde Serien blöd, vorallem wenn sie aus den USA kommen. Mitte der 90er Jahre stand ich mal auf "Married with Children", dazu noch die Simpsons. Aber sonst schalt ich die Kiste lieber aus. Entsprechend muss ich auch immer wieder die Frage beantworten, warum ich es nicht möge? Nun, ich habs nicht gern, wenn ich mir extra wegen dem Fernsehen einen Termin freihalten muss und das dann erst noch regelmässig. Aber der Hauptgrund ist, dass in den meisten Serien ein Leben vermittelt wird, mit welchem ich mich nicht identifizieren kann.

Da werden einfach andere - mir fremde - Werte vermittelt. Kein Sex vor der Ehe als Beispiel oder auch das Campus-Leben an einer Uni, inklusive der Wahl der Prom-Queen. Ich habe auch den Eindruck, dass gerne mal Andersdenkende, Homosexuelle oder - gerade aktuell - Moslems als böse und schlecht hingestellt werden. Während im Gegenzug in zahlreichen Serien verschiedene Religionen gelobt, praktiziert und entsprechend auch nicht in Frage gestellt werden. Genau so wie das US-Militär oder allgemein die amerikanische Politik im besten Licht dargestellt werden. Konservative Werte werden hochgehalten, Selbstkritik fällt schwer.

Wie gesagt, diese Eindrücke sind rein subjektiv. Ich habe mir von all den bekannten Serien - mit Ausnahme von Monk - noch keine einzige Folge ganz angeschaut. Vielmehr beim Zappen mal hängengeblieben, weil ich dachte, es wäre ein Spielfilm. Fakt ist, wenn ich aussuchen dürfte und ich müsste mich für Serien entscheiden, dann würde ich den folgenden Wunschzettel an die TV-Bosse abgeben: Pan Tau, Karlsson auf dem Dach, Dr. Psycho, Stromberg, Magnum und Auf Achse.

PS: Ein Colt für alle Fälle läuft ab 5. November wieder bei "Das Vierte".

PPS: Die Bildzeitung hat inzwischen vermeldet, dass in Deutschland über eine "Deutschquote" diskutiert wird, die verhindern soll, dass nur noch US-Produktionen im TV laufen... ob das die Lösung ist?