21. Januar 2010

Noir Désirs, die traurige Geschichte von Kristina

Kristina wer? Wer nach Kristina Rady googelt, der findet nicht einmal einen Wikipediaeintrag. Dabei hätte es über das Leben der Frau, welche sich letzte Woche mit nur gerade 41 Jahren das Leben genommen hat, ein paar Geschichten zu erzählen gegeben. Geboren in Ungarn interessierte sich Kristina Rady schon früh für Kultur und Musik. Mit 20 begann sie in ihrer Heimat Rockkonzerte zu organisieren, dabei kam es zu einem Engagement der französischen Band Noir Désir. Frontmann der Truppe: Bertrand Cantat! Die beiden verliebten sich, man zog gemeinsam nach Südfrankreich, heiratete und 1997 kam Sohn Milo zur Welt. Der Punk schien gezämt, von der schönen Ungarin mit dem grossen Herz. In Interviews mit französischen Klatschheftchen sagte er in dieser Zeit: "Ich will für meine Musik beachtet werden, alles andere geht niemanden etwas an". Und tatsächlich, bis 2002 - Kristina war gerade mit dem zweiten Kind schwanger, Bertrand auf Tour mit der Band - schien alles perfekt, Noir Désir sorgen mit Alben wie "Tostaky", "One Trip/One Noise" oder "Des Visages et des Figures" für Aufsehen. Landete mit dem letztgenannten Album in mehreren europäischen Ländern gar auf Platz 1 der Charts und hatte mit "Le vent nous portera" einen Top Ten Hit.

Im Juli 2002 verliebte sich Cantat nach einem Konzert in die französische Schauspielerin Marie Trintignant. Kurz nach der Geburt von Tochter Alice im September ließ Cantat seine Frau Kristina und die beiden Kinde in Bordeaux zurück und zog zu Trintignant nach Paris. Während eines Aufenthalts in der litauischen Hauptstadt Vilnius, in der sich die französische Schauspielerin Marie Trintignant in Begleitung von Cantat zu Dreharbeiten aufhielt, kam es in der Nacht des 26. Juli 2003 aufgrund einer SMS zu einer Eifersuchtsszene, die in körperlicher Gewalt eskalierte. Cantat schlug Marie dabei so heftig, dass sie stürzte und ins Koma fiel; stundenlang erkannte der besoffene Sänger ihren lebensbedrohlichen Zustand nicht. Am 1. August verstarb Marie in einem Pariser Spital. Cantat selbst versuchte sich mit Tabletten das Leben zu nehmen, ohne Erfolg. Er wurde in Litauen zu 8 Jahren Haft wegen Totschlags und unterlassener Hilfeleistung verurteilt. Und Kristina?

Sie hielt zu ihrem Mann. Reiste umgehend nach Vilnius. War für ihn als Übersetzerin tätig und betonten in jedem Interview, dass sie Betrand nie als gewalttätig empfunden hatte, er sei immer ein liebevoller Ehemann und Vater gewesen. Ein Zug, der ihr - deren Mann sie nach der Geburts der Tochter erst gerade noch betrogen und verlassen hatte - in Frankreich grosse Bewunderung eingebracht hatte. Die Franzosen hatten die Ungarin schon lange ins Herz geschlossen, während den 90er Jahren war sie die Frau an der Seite der natinalen Ikone Cantat, seit dem Prozess die starke Frau und Mutter, welche sich für ihren Ex-Mann einsetzt. Bloss, wie stark war Kristina wirklich? Niemand wird es wohl je erfahren. Einzig auf Cantat fällt erneut ein dunkler Schatten. Nach seiner vorzeitigen Haftentlassung wegen guter Führung hatte er wieder häufiger Kontakt zu seiner Familie. In der Todesnacht waren die beiden Kinder von Kristina und Bertrand ausser Haus, das vermeindliche Paar alleine zu Hause. Cantat soll geschlafen haben, während sich seine Frau im Obergeschoss des Hauses erhängt hat. Entdeckt hat die tote Frau eines der Kinder - am Sonntagnachmittag. Inzwischen soll ein Zettel aufgetaucht sein, auf dem sich Kristina für den Schmerz entschuldigt, den sie ihren Angehörigen mit diesem Schritt verursacht hat...

Der Tod ist mysteriös und wird das wohl auch bleiben. Am Montag wurde Kristina Rady in Frankreich beerdigt, bereits die zweite Frau an der Seite von Betrand Cantat, die zu früh gehen musste. Frankreich hat mitgetrauert, die grossen Zeitungen und Journaillen übertrafen sich mit Spekulationen über den Tod der Frau. Für Fotos der Beerdigung wurden Höchstpreise geboten, in TV-Sendungen wurde die angeblich so starke Frau gewürdigt. Nur einer schwieg erneut, Cantat. Die ersten Songs welche er unlängst - zum ersten Mal seit 2002 - im Interner veröffentlich hat sind auf einmal wieder verschwunden. Kein Wort zum Tod von Kristina auf der Homepage. Nichts. Was bleibt sind 2 Kinder ohne eine Mutter und eine Handvoll Fragen, deren Antworten ihre Mutter am Montag mit ins Grab genommen hat. Au revoir, Kristina!

PS: Ja, das Noir Désirs im Titel hat bewusst ein S zu viel.
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